Zwischen Himmel und Körper: Duft als göttliches Zeichen
Im Mittelalter war Geruch ein moralisches Statement.
Rein zu riechen bedeutete, gottgefällig zu sein. Ein Wohlgeruch galt als Zeichen des Segens – ein übler Geruch hingegen als Zeichen der Sünde oder des Verderbens.
Kirchen waren erfüllt von Weihrauch – nicht nur als liturgische Geste, sondern auch, um die unausweichlichen Gerüche der Menge zu überdecken.
Der Rauch stieg gen Himmel, Symbol für Gebet und Reinigung, während draußen das Leben nach Erde, Schweiß, Leder und Stall roch.
In illuminierten Handschriften finden sich häufig Darstellungen von Salbgefäßen, Blumen oder Rauchschwaden – subtile visuelle Hinweise auf diese Welt der Düfte.
Ein besonders faszinierendes Beispiel bietet die Darstellung der Anbetung der Könige in zahlreichen Stundenbüchern, in denen Weihrauch und Myrrhe nicht nur Geschenke, sondern Sinnbilder für göttliche Präsenz und den vergänglichen Körper sind.