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Wie roch das Mittelalter? – Zwischen Weihrauch, Verführung und Verwesung

TRH Garten Eden * Universal Art Group

Der Duft der Geschichte

Das Mittelalter hatte viele Gerüche – und sie waren alles andere als angenehm.
Zwischen Räucherwerk in Kathedralen, den Kräutern der Heilkundigen und dem Gestank überfüllter Städte entstand eine olfaktorische Landschaft, die so intensiv war wie ihre Kunst.
Und doch: In den Bildern und Schriften jener Zeit duftet es. Nach Myrrhe, nach Rose, nach göttlicher Reinheit – oder nach irdischer Versuchung.

Zwischen Himmel und Körper: Duft als göttliches Zeichen

Im Mittelalter war Geruch ein moralisches Statement.
Rein zu riechen bedeutete, gottgefällig zu sein. Ein Wohlgeruch galt als Zeichen des Segens – ein übler Geruch hingegen als Zeichen der Sünde oder des Verderbens.

Kirchen waren erfüllt von Weihrauch – nicht nur als liturgische Geste, sondern auch, um die unausweichlichen Gerüche der Menge zu überdecken.
Der Rauch stieg gen Himmel, Symbol für Gebet und Reinigung, während draußen das Leben nach Erde, Schweiß, Leder und Stall roch.

In illuminierten Handschriften finden sich häufig Darstellungen von Salbgefäßen, Blumen oder Rauchschwaden – subtile visuelle Hinweise auf diese Welt der Düfte.
Ein besonders faszinierendes Beispiel bietet die Darstellung der Anbetung der Könige in zahlreichen Stundenbüchern, in denen Weihrauch und Myrrhe nicht nur Geschenke, sondern Sinnbilder für göttliche Präsenz und den vergänglichen Körper sind.

Patrick Süskinds „Parfum“ – und die Wahrheit hinter dem Mythos

Patrick Süskinds Roman Das Parfum hat das Bild vom „gestankdurchtränkten Mittelalter“ in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt.
Und tatsächlich: Der Mangel an Hygiene, enge Lebensräume, Tierhaltung in der Stadt – all das sorgte für eine Intensität, die moderne Nasen kaum ertragen würden.

Doch der Roman übertreibt bewusst.
Denn gleichzeitig war die mittelalterliche Welt besessen von Reinheit, Duft und Symbolik.
Man badete häufiger, als oft behauptet, und parfümierte Kleidung, Haar und Räume mit Rosenwasser, Lavendel oder Veilchenöl. In Klöstern wurden Duftkräuter kultiviert, in Apotheken Salben aus Ambra und Moschus gerührt – Luxusgüter, die nur Wohlhabende sich leisten konnten.

Duft, Verführung und Sünde

Der Duft war nicht nur göttlich – er war auch gefährlich.
Ein betörender Geruch konnte Versuchung bedeuten, eine Prüfung der Tugend.
In Liebesdichtungen wie dem Roman de la Rose wird der Duft der Blume zum Symbol der Sehnsucht – ein Sinnbild der Erotik.

Im Gegensatz dazu galt der Geruch der Verwesung als Mahnung an die Sterblichkeit: Memento mori – vergiss nicht, dass du Staub bist.
So schwebt der Duft im Mittelalter immer zwischen zwei Welten: Heiligkeit und Sinnlichkeit, Reinheit und Verfall.

Vom Duft der Zeit zur digitalen Ewigkeit

Heute fangen wir die Farben und Strukturen mittelalterlicher Kunst mit Gigapixel-Technologie ein – doch wie könnte man den Duft der Geschichte bewahren?
Vielleicht ist das die letzte unsichtbare Dimension historischer Erfahrung.

Faksimiles der Universal Art Group machen diese Welt zumindest visuell wieder spürbar:
Die floralen Bordüren, goldenen Salbgefäße, die blühenden Landschaften in der Très Riches Heures – sie erzählen von einem Mittelalter, das nicht grau und dumpf war, sondern lebendig, sinnlich und duftend.

🔗 Entdecken Sie die ersten Beiträge unserer Reihe:

1. Erotik im Mittelalter

2. Wie roch das Mittelalter - Zwischen Verführung und Verwesung

Kalenderbild März

Kalenderbild März

Einzelblatts von Simon Bening
Kalenderblatt März

Gent/Brügge, um 1550
London, British Library
Add Ms 18855

Größe: 17 x 12 cm
Art.-Nr.: 1154

 


Kalenderblatt Februar

Kalenderblatt Februar

Breviarium Grimani, fol. 2v
Februar

Brügge, 1510-1520
Venedig, Biblioteca Marciana
Cod. lat. 1.99 (2138)

Art.-Nr.: 1117

Gewicht: 0,5kg
Größe: 27cm x 20cm

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Kalenderblatt Mai

Kalenderblatt Mai

Da Costa-Stundenbuch, fol. 6v
Mai

Brügge, vor 1514
New York, Pierpont Morgan Library
Ms. 399

Art.-Nr.: 1131

Gewicht: 0,5kg
Größe: 16,5 x 12 cm

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Les Très Riches Heures du Duc de Berry

Les Très Riches Heures du Duc de Berry

Les Très Riches Heures - das Stundenbuch für den Duc de Berry - ist das berühmteste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. In 121 unglaublichen Miniaturen – darunter die weltberühmten Kalenderblätter – entfaltet sich ein atemberaubendes Panorama der Welt des 15. Jahrhunderts, ausgeführt in strahlenden Farben und glänzendem Gold. Die größten Meister ihrer Zeit waren an diesem Meisterwerk beteiligt.

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Book of Kells – Das legendäre Meisterwerk der insularen Buchkunst

Book of Kells – Das legendäre Meisterwerk der insularen Buchkunst

Ein Juwel der frühmittelalterlichen Kunst – das Book of Kells fasziniert mit detailreicher Ornamentik, symbolischer Tiefe und verspielten Details. Entstanden um 800 und heute im Trinity College Dublin aufbewahrt, zählt es zu den berühmtesten Handschriften der Welt.


Van Damme - Stundenbuch

Van Damme - Stundenbuch

Entstanden in den Werkstätten des renommierten Schreibers Antonius van Damme und des berühmten Buchmalers Simon Bening, ist das Van-Damme-Stundenbuch ein Zeugnis höchster Kunstfertigkeit. Dieses Meisterwerk aus dem letzten goldenen Zeitalter der flämischen Buchmalerei besticht durch den Detailreichtum seiner Miniaturen, die Frische seiner Farben, die prächtigen Trompe-l’oeil-Tänder und die charmanten Kalenderseiten., die einen faszinierenden Einblick in das Alltagsleben im Flandern des 16. Jahrhunderts darstellen. Eindrucksvoll demonstriert das Van-Damme-Stundenbuch den hohen Rang der flämischen Buchkunst des 16. Jahrhunderts.

Signatur: MS M.451, The Morgan Library & Museum, New York

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Von Pflanzen und Tieren

Von Pflanzen und Tieren

Unsere Handschrift stellt ein Kompendium dar, das medizinisch, pharmakologisch, wissenschaftshistorisch, aber auch mentalitätsgeschichtlich und kunsthistorisch ein einzigartiges Zeugnis ihrer Zeit darstellt. Auf über 240 kunstvoll ausgeführten Darstellungen, die uns einen einmaligen Einblick in das Wissen der Zeit geben, werden Pflanzen, Tiere und medizinische Behandlungsmethoden dargestellt, die in farbenfroher und prachtvoll mit Gold und Silber dekorierter Ausführung jedes einzelne Bild zu einem kleinen Kunstwerk werden lassen. Die stark symbolisierten Pflanzenbilder, teilweise fast arabeskenähnlich und auf fast allen Seiten der Handschrift zu finden, sowie die wundervollen Tierdarstellungen machen diese Handschrift zu einer einzigartigen Zimelie der mittelalterlichen Buchkunst.

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Artikelnummer: 72095

Signatur: Sloane MS 1975, British Library, London

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