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Kleidung im Mittelalter

Kleidung im Mittelalter im Focus * UAG

„Sag mir, wie du dich kleidest, und ich sage dir, wer du bist“ 

Kleidung im Mittelalter

Heute scheint es selbstverständlich: Wir können tragen, was wir wollen – von Sneakern bis Abendkleid, von Baumwolle bis Seide. Doch im Mittelalter war Kleidung alles andere als eine freie Entscheidung. Sie war sichtbares Zeichen der gesellschaftlichen Stellung – und genau geregelt durch die sogenannten Kleiderordnungen.

Beim Blättern durch das berühmte Stundenbuch Les Très Riches Heures du Duc de Berry erkennen wir sofort: Kleidung war ein Schlüssel zur „gottgewollten Ordnung“.

Glanz und Prunk für die Oberen

Auf dem Mai-Kalenderblatt strahlen die adligen Damen in langen Kleidern mit geschlitzten Ärmeln, während die Herren Umhänge in kräftigen Farben mit Goldapplikationen tragen. Pelz, wie beim Herzog von Berry selbst im Januar, war ein Privileg des Adels.

Praktisch und kurz für die Bauern

Ganz anders die Bauern im Juni: kurze Tuniken, einfache Kopfbedeckungen und praktische Schuhe – oft nur aus grobem Leder gewickelt. Stoff war teuer, und Kleidung musste vor allem funktional sein.

Farben mit Bedeutung

Die Wahl der Farben war streng reguliert. Während billige Pflanzenfarben wie Walnussbraun oder Waidblau den unteren Schichten vorbehalten waren, leuchteten die Gewänder des Adels in Purpur oder Indigo. Gelb dagegen galt oft als Farbe der Ausgestoßenen – in vielen Städten mussten Prostituierte gelbe Kleidung tragen.

Kopf bis Fuß im Zeichen der Ordnung

Besonders aussagekräftig war die Kopfbedeckung: verheiratete Frauen trugen Schleier und Gebände, Adlige präsentierten sich mit kunstvollen Hennins oder burgundischen Hauben. Männer unterschieden sich durch Baretts, Hüte oder Kapuzen. Manche Kopfbedeckungen kennzeichneten ganze Gruppen – wie der berüchtigte Judenhut.

Und unten? Schuhe! Die berühmten Schnabelschuhe des 14. Jahrhunderts waren mehr als Mode – je länger der Schnabel, desto höher das Ansehen. Die Bequemlichkeit? Spielte keine Rolle.

Fazit

Kleidung im Mittelalter war weit mehr als Stoff auf der Haut – sie war soziales Signal, Statussymbol und religiöse Pflicht zugleich

Und: Je unbequemer das Kleidungsstück, desto höher der Stand.

👉 Was wäre dein Lieblingsoutfit gewesen? Lieber bodenlanges Seidenkleid oder praktische Tunika?

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