Natalka Marynchak
Der Gedichtband Antidespairant (Відчаєспинне) der ukrainischen Lyrikerin Natalka Marynchak ist ein eindringlicher Ausdruck von Widerstand und Hoffnung angesichts der russischen Aggression. Entstanden in Charkiw während der ersten 365 Tage von Putins Invasion – der jüngsten Eskalationsstufe eines Konflikts, der die Beziehungen zwischen beiden Ländern seit Jahrhunderten prägt – verbindet das Werk existenzielle Bedrohung mit poetischer Entschlossenheit. Unter Beschuss geschrieben, ist Antidespairant zugleich Gebet für das eigene Volk, Fluch gegen den Feind und Lobgesang auf jene, die ihre Heimat verteidigen. Ergänzt durch die eindrucksvollen, suggestiven Grafiken Kostiantyn Zorkins entsteht ein ungeschönter Bericht davon, wie Hoffnung selbst unter extremsten Bedingungen bewahrt werden kann.
Natalka Marynchak wurde 1981 in Charkiw geboren und studierte an der Nationalen W.-N.-Karasin-Universität Charkiw. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit betreibt sie beim ukrainischen Radiosender Nakipilo das Projekt Unhurried Morning, das der psychischen Stabilisierung der Bevölkerung dienen und zugleich Perspektiven für den Wiederaufbau des Landes nach einem Sieg über den Angreifer eröffnen soll.
Kostiantyn Zorkin, ebenfalls in Charkiw geboren (1985), studierte Kulturwissenschaften an der Charkiwer Akademie für Kultur. Sein künstlerisches Schaffen umfasst Performance, Installationen, Puppentheater, Grafik, Skulptur, Land Art und weitere Ausdrucksformen. Er arbeitet bevorzugt mit natürlichen Materialien wie Holz, Metall, Tinte und Papier sowie mit traditionellen handwerklichen Techniken. In seinen Werken deutet er die magisch-mythologische Funktion von Kunst neu, indem er ein eigenes System von Zeichen und Symbolen entwickelt.
Sowohl Natalka Marynchak als auch Kostiantyn Zorkin leben weiterhin in Charkiw, einer der Städte, die von der russischen Invasion in der Ukraine besonders schwer getroffen wurden.