Petr Hruška
Petr Hruška gilt weithin als einer der bedeutendsten zeitgenössischen tschechischen Lyriker und ist insbesondere für seine außergewöhnlich scharfe Beobachtungsgabe bekannt. In I Caught Sight of My Face, aus dem Tschechischen von Joshua Mensch übersetzt, tauscht Hruška die lyrische Verdichtung früherer Bände gegen eine epischere Stimme ein, mit der er die Gegenwart durch die Linse einer fernen Vergangenheit betrachtet. Und zwar nicht irgendeiner Vergangenheit: Sein poetischer Zyklus greift auf The First Voyage around the World zurück, einen Bericht, den Antonio Pigafetta vor fünf Jahrhunderten verfasste – einer der wenigen Überlebenden von Ferdinand Magellans Entdeckungsfahrt (1519–1522).
Doch handelt es sich keineswegs um eine glanzvolle Heldensaga. Hruška übernimmt die Perspektive des venezianischen Abenteurers, um zu zeigen, wie wenig sich menschliches Verhalten in einem halben Jahrtausend verändert hat. Damals wie heute ist der Mensch geprägt von Angst und Unsicherheit, bisweilen von Feigheit, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Der scheinbar schlichte, gut zugängliche Stil des Gedichts vermittelt dabei eine tiefgründige und komplexe Reflexion über unsere Fähigkeit zum Bösen.
Petr Hruška (*1964) ist Dichter und Literaturhistoriker und lebt in Ostrava in der Tschechischen Republik. Seine Lyrik wurde mit mehreren nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Tschechische Staatspreis für Literatur für den Band Darmata (To No Travail, 2012) sowie der Magnesia Litera, die renommierteste jährliche Literaturauszeichnung des Landes, für Spatřil jsem svou tvář (I Caught Sight of My Face, 2022). Hruškas Gedichtbände wurden unter anderem ins Französische, Deutsche, Polnische, Italienische, Ungarische, Rumänische und Kroatische übersetzt.